Sechs Zeichnungen zum Leiden und Sterben eines langjährigen Begleiters. Er wurde von zahlreichen Menschen als ein Guru (Lehrer) gesehen.
Nachdem er plötzlich nicht mehr schreiben konnte, diagnostizierte man einen Gehirntumor (Glioblastom). Die Krankheit schritt rasch voran. Alsbald verlor er seine sensorische Koordination und sein Artikulationsvermögen. Wenige Tage danach war er halbseitig gelähmt. Seine intellektuelle Wahrnehmung blieb bis zu seinem Tod uneingeschränkt. Drei Monate nach Entdeckung der Krankheit verstarb er.
In dieser Spanne fertigte ich diese Zeichnungen, die jeweils eine Station seines Leidens zeigen. - Klicken Sie bitte auf ein Bild, um es in größerem Format zu sehen. - Zudem entstanden während seiner letzten vierzehn Tagen untenstehende neun Haiku. Die Haiku bitte von links nach rechts lesen.

 

Los 20. März

Glanz 28. April

Rast 17. Mai

Hadern 22. Mai

Prüfung 26. Mai

Frieden 30. Mai

Am Ziel angelangt
Versiegten seine Worte,
Hörbar nur der Quell.

Mairegen zerstäubt
Viel zu frühe Sommerglut.
Wieder kühl der Tod.

Zieh – aus, der Atem
Zug um Zug zum Ende hin.
Zieh - aus, noch Leben.

Alles durchblickend
Auf Irrwegen gewandert
Und dennoch im Ziel.

Einem Lichtstrahl gleich
Fällt die Taube vom Himmel.
Mit ihr fällt der Geist.

Rosen bedecken,
Was dir Heimstatt gewesen.
Nie warst du so fremd.

So oft das Ringen
Mit dem Tod im Kopf geübt,
Dennoch überrascht.

Vom Regen durchnässt
Liegt die Taube tot im Gras.
Absturz zu Pfingsten.

Gen Abend umspielt
ein Lächeln kalte Lippen.
Die Einkehr des Toten.